Meridian Brothers

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crossroads:
Globalisierung, Stereotyp, Vielfalt
genre(subgenre):
Music (Afro-Funk)
Musik (Cumbia, elektronische Musik, Minimal Music, Pop)
region:
America, South
country/territory:
Colombia
created on:
November 23, 2011
last changed on:
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 Meridian Brothers
Meridian Brothers © promo

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Eine musikalische Reise durch eine surrealistische Welt

Die aus Bogota, Kolumbien, stammenden Meridian Brothers sind eine Art-Combo, die lateinamerikanische Rhythmen mit Art Noise und unvermittelten Soundevents vermischt. Zu dieser Mixtur aus Einflüssen, die von tropischen Vintage-Stilen aus Peru und den kolumbianischen und karibischen Küstenregionen bis hin zu elektronischem Folk und Dolly Parton reichen, tragen sowohl traditionelle Instrumente wie auch Computertechnologie bei.
Stellen Sie sich den illegitimen Nachwuchs einer Liaison zwischen den Residents und dem Penguin Cafe Orchestra vor, und Sie kommen dem Sound der Meridian Brothers schon sehr nahe. Überzeugende Latin-Dance-Rhythmen sind mit skeletthaften Gitarren und vokalen Rumalbereien überlagert. So entsteht eine hypnotisierende Mischung, ein Konfekt aus Minimalismus, Cumbia, Pop, Elektronika und Afro-Funk.

Die Band formierte sich 1998 und verkaufte zunächst selbst bespielte Kassetten in der kolumbianischen Hauptstadt. Ihr erstes offiziell erschienenes Album ”El advenimiento del castillo mujer” (Die Ankunft der Burgfrauen), erschien 2005, gefolgt von “Meridian Brothers VI”. Zurzeit tourt die Band durch Europa und steht kurz vor dem Release ihres dritten Albums im November 2011.

Bandleader und Ideengeber hinter dieser Gruppierung lateinamerikanischer Kunstsubversiver ist Eblis Alvarez (Vocals, Gitarren und Elektronika). Trotz einer frühen Faszination für Erdmeridiane entschied er sich, lieber die Furchen der Indie Art Musik zu durchpflügen. Aber glauben Sie ja nicht, die Musik der Meridian Brothers sei nur Fun und gute Vibes. Wenn Arto Lindsay in einem Paralleluniversum vier Brüder und eine Schwester hätte (einer der Meridian Brothers ist weiblich) und sie alle an ADS litten, wäre das Ergebnis sicher vergleichbar.

Eblis Alvarez beschreibt den Output seiner Band so: “Wir sind von den tropischen Vintage-Stile aus der kolumbianischen Küstenregion und der Karibik beeinflusst und ein bisschen vom peruanischen Chicha. Wir hören auch eine Menge elektronischer Musik mit Synthesisern und Keyboards, aber diese Verbindungen sind eher locker. Wir mögen diese elektronischen Musikbeats nicht so unverfälscht, bei uns ist alles irgendwie ineinander verschlungen. Wir mögen auch Folk und Vallenato aus Kolumbien. Manchmal inspirieren uns Dolly Parton oder sogar Neil Young – im Sinne von Stimmung und Tempo.”

Er erklärt weiter: “Wir suchen nach einem sehr abstrakten Bild dieser Einflüsse. Wir arbeiten viel mit dem Sound, aber nicht so, wie das in der elektronischen Musik gemacht wird. Wir suchen vor allem nach bizarren Ergebnissen in Rhythmus und Aufbau. Unsere Art, Instrumente zu spielen, ist auch eher ungewöhnlich. Wir produzieren viele kleine Geräusche und deformierte Melodien, um ab und zu die Klischees zu durchbrechen.”

Jedenfalls scheint es den Meridian Brothers nicht einfach um kopfloses “grooving for the good times” zu gehen. Geradezu gruselige Melodien wie “El Cantero Experimental” legen nahe, dass es hier um mehr geht als um eine einfache Feier der schöneren Dinge des Lebens. In den Tönen einer gerade noch kontrollierten Hysterie, nicht allzu fern von David Byrnes unangenehmsten Momenten bei den Talking Heads, trägt Eblis Alvarez mal feierlich vor, mal sinniert er und wird aufrührerisch, während sich im Hintergrund schräge atonale Geräusche über süß-melodische Phrasen legen, um ein zuckendes, irritierendes und dennoch seltsam melancholisches Ergebnis zu zeitigen.

Seine musikalische Mission beschreibt er so: “Ich habe das Gefühl, dass unsere Musik eine Antwort ist. Und zwar die eines Drittweltlandes, das unter dem Einfluss einer totalen Globalisierung steht. Unsere Identität gründet sich auf Bruchstücke, die wir ebenso oberflächlich wie intensiv absorbieren und weiterverarbeiten, und zwar von wichtigem und wertvollem Zeug bis hin zu echtem Junk, den andere einfach wegwerfen würden. Wir sind ein Land, das praktisch für alles offen ist, was von draußen hereinkommt.”

Hornmelodien tauchen bruchstückweise auf, sausen los und kehren in verstimmten Gitarrensounds zurück; Instrumente werden mit Widerhall moduliert, ein Doublebass nimmt den Lounge-Groove auf, eine Klarinette erörtert ihre Beteiligung – unvermutet spielt ein Glockenspiel ein reizendes Kinderlied und eine schmachtende, schön falsch singende Stimme wirft sich unversehens auf den arglosen Zuhörer. Diese surreale Mischung aus Kitsch und Neon-Verdrehtheit à la Las Vegas ähnelt einem deutschen Fernsehsamstagabend mit voll aufgedrehten Kontrasten, nachdem man zwei Flaschen chilenischen Rotweins getrunken hat.

Wer zum Konzert kommt, kann das Unerwartete erwarten, nämlich eine musikalische Reise durch eine surrealistische Welt, die von Gummistiefel tragenden Gangstern bevölkert ist (wie gefeatured bei der letzten Zusammenarbeit mit Sonora 3).
Author: Martin Gordon

Works

"Este es el corcel heroico que nos salvará de la hambruna y corrupción"(Meridian Brothers VI)

Published Audio,
2009

"El advenimiento del castillo Mujer" (Meridian Brothers V)

Published Audio,
2005

SONORA3

Published Audio

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Worldtronics 2011

(30 November 11 - 04 December 11)

Www

Website of the artists

Meridian Brothers on Myspace