Cheb Mami

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May 21, 2003
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 Cheb Mami
Cheb Mami © Virgin Music (Deutschland)

Article

Der Prinz des Raï

Sein erstes Album nannte er „Prince of Raï“, denn Cheb Mami, 1966 geboren als Khelifati Mohamed in der westalgerischen Kleinstadt Saïda, wurde schnell zum Prinzen der Musik-Rebellen Algeriens, die sich „Chebs“ nannten, was nichts anderes bedeutet als „jung“. Der „Prinz“ Cheb Mami wurde zusammen mit dem „König“ Khaled und anderen zum Wegbereiter eines modernen Raï, der in den achtziger Jahren Reggae, Rap und HipHop mit traditionellen algerischen Rhythmen verband, eine raue Mischung, gespielt auf billigen Synthesizern. Mittlerweile ist Cheb Mami zu einem weit über Raï-Kreise bekannten Star aufgestiegen, so dass sogar Sting für das Duo „Desert Rose“ an seine Tür klopfte. Cheb Mami singt über die Liebe und gebrochene Herzen, aber auch vom algerischen Bürgerkrieg und dem Leben der jungen Migranten in Paris. Die klassische Instrumentierung und Form des Raï hat er hinter sich gelassen.
Cheb Mami gilt unzweifelhaft als Nummer zwei des Raï, als der „Prinz“, über dem nur noch der „König“ des Raï, Khaled, steht. Der im Dunstkreis von Bordellen und Spelunken der algerischen Hafenstadt Oran zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborene Raï, wurde in den achtziger Jahren von einer Generation junger Sängerinnen und Sänger, den Chebbas und Chebs, in ganz Algerien verbreitet.

Die mittlerweile zur Legende gewordenen Vertreter dieser Musikrichtung erobern später auch Frankreich: Cheb Khaled, Cheb Mami, Chaba Fadela. Algerien befindet sich in einer politischen und gesellschaftlichen Sackgasse, wie die Unruhen des Jahres 1988 zeigen. Erstmals und kraftvoll besingt der Raï das Elend, das Freiheitsstreben der Jugend und ihre Sinnenfreuden. Die jungen Raï-Sänger, die Chebs, sind mit ihrer Kultur verwachsen und betrachten sich als die Erben der Cheikhs, jener Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die noch klassische Texte der arabisch-andalusischen Tradition sangen, um die arabische Sprache zu pflegen und die kulturellen Waffen des entstehenden algerischen Nationalismus zu schärfen.

Nach seiner Entdeckung bei einem Gesangswettbewerb für das nationale Radio trug auch Cheb Mami zum Erfolg dieses neuen Genres bei, bis die neue Musik so stark war, dass auch die Kulturoberen sie 1985 in Form eines offiziellen Festivals in Oran anerkennen mussten, an dem neben Cheb Mami und Khaled auch die gesamte Crème de la crème des Raï teilnahm. Die neue Welle schwappte schnell über das Mittelmeer in die französischen Vorstädte, so dass im nächsten Jahr die erste Garde des Raï mit Khaled und Cheb Mami schon ihr Debüt in Frankreich auf inzwischen historischen Festivals in La Villette und Bobigny gab. Seit 1986 hat der Raï seine Präsenz in Frankreich kontinuierlich gefestigt – befördert durch die Emigration fast aller namhaften Stimmen des Raï ins französische Exil. Und durch Integration in den Pop-Mainstream etablierte sich in Frankreich so etwas wie eine heimliche Raï-Dynastie, mit patrilinearer Erbfolge durch König, Kronprinz und Prinz.

Cheb Mami blieb hinter Khaled „nur“ die Rolle des Kronprinzen, dabei war der 1966 in Saïda (Algerien) als Khelifati Mohamed geborene Sänger und Komponist der erste, der den Raï um HipHop und Reggae bereichert und damit einen Modernisierungsschub in diesem Genre eingeleitet hat. Damit versammelte er vor allem die jugendlichen Raï-Fans hinter sich und ist heute wohl einer der populärsten Raïsänger überhaupt, selbst wenn der Raï wie bei seinem Duett mit Sting in einer harmlosen Popvariante daherkommt. Aber Cheb Mami hat immer aus der Außenseiterposition agiert. Mit seinem zweiten in den USA produzierten Album „Let me Raï“ brachte er den Raï auf den Dancefloor, um auf „Saida“ erstmals Raï und Rap zusammenzufügen.

Damit verlangt er immer wieder selbst liberal eingestellten Raï-Liebhabern ab, liebgewordene Vorstellungen über das Genre aufzugeben. Auf dem in Los Angeles während des Golfkrieges produzierten Album „Saida“ hat er einfach die klassische Raï-Instrumentierung über Bord geworfen. So wird ein Track wie das Dancefloor-orientierte „Ma Ma“ zum Prototyp des algerischen Disco-Groove, bei dem der überwiegende Anteil der Sounds und Instrumente am Computer programmiert und nicht etwa von echten Musikern live eingespielt wurde. Die Traditionalisten witterten Verrat, doch die Fans zogen mit. Und Cheb Mami begibt sich in seiner Musik auf eine niemals endende kreative Suche nach einer experimentellen Fusion verschiedener Spielweisen, an deren Ende stets ein Popsong steht. Dabei bewahrt er sich die arabische Sprache und greift auf Zarb, arabische Laute oder Darbouka zurück. Genauso wichtig aber sind ihm die großflächig eingesetzten, aber niemals überzogen klingenden Synthesizer-Sounds zwischen Soul-Bläsersatz und großem Streichorchester. Mit der geschickten Vermischung von Rhythmen aus dem arabischen und westlichen Raum sowie einem Mix traditioneller und funkiger Klänge verschmelzen in der Musik von Cheb Mami die Rhythmen des Orient, Melodien von der griechischen Halbinsel, die würdevolle Melodik andalusischer Volkslieder und die Expressivität des HipHop. So mixt er einen globalen Pop, der seine Wurzeln nicht verleugnet.

Cheb Mamis drittes Album „Meli, Meli“, diesmal in Frankreich aufgenommen, ist ein kleines Meisterstück. Hier tritt die Komposition nicht mehr hinter die Produktion zurück. Neben klassischen Liebesgesängen, die seit jeher den Raï ausmachen, mangelt es nicht an Abwechslung. In „Bledi“ trauert Mami zu andalusischer Gitarre um sein Heimatland. Auf „Azwaw 2“ schreitet er, begleitet vom schweren Trommelschlag des Atlasgebirges, zum symbolischen Schulterschluss mit dem kabylischen Sänger Idir. Und mit „Parisien du Nord“ erweist er, flankiert von den Franco-Rappern K-mel (Alliance Ethnik) und Imhotep (IAM), der Banlieue seine Reverenz, wo sich allerdings schon die Konkurrenz formiert.

Nach seinem Pop-Duett „Desert Rose“ mit Sting geht Cheb Mami auf „Dellali“ wieder einen Schritt auf seine Fans in Algerien zu, wie schon der Titel ankündigt, der im Oraner Dialekt soviel wie „Liebster“ heißt und in Raï-Songs gerne als bekräftigender Ausdruck benutzt wird. Das soll allerdings nicht heißen, dass er musikalisch traditioneller wird. Zwar hält er an knalligen Drums und den obligatorischen Keyboards fest, dafür holt er jedoch das traditionelle Akkordeon zurück, und die Synthesizer sind weniger dominant als früher und müssen zur Abwechslung einmal die orientalischen Geigen nicht ersetzen. Doch Cheb Mami gelingt es einmal mehr, Soul, Funk, Reggae und die aktuellen Strömungen der Popmusik mit seiner Auffassung eines modernen Raï zu mischen. Dabei lässt er sich stimmlich von Sting und Ziggy Marley unterstützen und liefert in „Viens Habibi“, zu dem kein geringerer als der „Maître de la Chanson“ Charles Aznavour den Text lieferte, den Beweis, dass das französische Chanson mit dem Raï enorm an Groove gewinnt. Das Programm, das er damit verfolgt, ist im ersten Titel von „Dellali“ formuliert: „Le Raï c’est chic“.

Bio

Cheb Mami wurde am 11. Juni 1966 in einem einfachen Viertel von Saïda, 160 Kilometer südlich von Oran geboren und wuchs als eines von neun Kindern eines Arbeiters in einer Papierfabrik auf. In dem Blues der Armen, die desillusioniert und ohne Hoffnung in dieser kleinen Stadt im Inneren Algerien leben, sieht er die Verkörperung des Raï-Gefühls. Er hatte schon begonnen, auf Hochzeiten und anderen Festen zu singen, als er 1982 eines Tages auf dem Weg zum Schwimmbad an einem Kulturzentrum vorbeikam, wo gerade eine regionale Vorentscheidung zu einem nationalen Gesangswettbewerb stattfand. Er kletterte über den Zaun, schlich sich ein und wurde ausgewählt, seine Region bei der nationalen Endausscheidung in Algier zu repräsentieren. Dort wurde er Zweiter, obwohl das Publikum lieber ihn als Sieger gesehen hätte und das auch durch lautes Pfeifen bei der Bekanntgabe der Entscheidung deutlich machte. Als Preis erhielt er das Akkordeon, auf dem er noch heute spielt.

Bald darauf begegnete Cheb Mami dem Plattenproduzenten Boualem aus Oran, dem Zentrum des Raï, und begann, enorm erfolgreiche Kassetten mit Verkaufszahlen von bis zu 500.000 Stück aufzunehmen, die ihm jedoch wenig Geld einbrachten. 1985 trat er zum ersten Mal öffentlich beim ersten offiziellen Raï-Festival in Oran auf, wo sich die Größten des Genres ein Stelldichein gaben. Im gleichen Jahr ging er als einer der Ersten zu Raïfestivals nach Paris und Bobigny, wo er Michele Levy traf, der sein Manager wurde. Im Dezember 1986 trat er dann schon im renommierten „Olympia“ in der französischen Hauptstadt auf, wohin er nach der zweijährigen Unterbrechung seiner Karriere durch den Militärdienst in Algerien 1989 triumphal zurückkehrte. Im gleichen Jahr erschien sein erstes Album „Le Prince du Raï“ / „Prince of Raï“. Dem folgten umjubelte Tourneen in den USA, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, Spanien, England und Skandinavien.

Spätestens nach seinem zweiten Album „Let Me Raï“ wurde Cheb Mami durch die ansteckende Fröhlichkeit seiner Musik berühmt in der Weltmusikszene. Weltbekannt wurde er dann durch sein Duo „Desert Rose“ mit dem englischen Popstar Sting. Auf seiner bisher letzten CD holte er sich Stars wie Ziggy Marley ins Studio und ließ sich den Text für das Lied „Viens Habibi“ sogar von Charles Aznavour schreiben.

Works

Cheb Mami

Published Audio,
2007
Because Mu (ALIVE)

Best of Cheb Mami

Published Audio,
2007
Atoll (New Music)

Layali

Published Audio,
2006
Virgin France

Best of Cheb Mami

Published Audio,
2005
Atoll Music France

Live Au Grand Rex 2004

Published Audio,
2004
Virgin France (EMI)

Du Sud au Nord

Published Audio,
2004
Virgin France (EMI)

Lazrag Saani

Published Audio,
2002
ARK21

Dellali

Published Audio,
2001

100% ARABICA, Cheb Khaled & Cheb Mami

Published Audio,
1999

Meli Meli

Published Audio,
1999
Ark21: 1999

Douni el Bladi

Published Audio,
1996
BSI & Virgin, 1996

Let Me Cry

Published Audio,
1995

Saida

Published Audio,
1994
Virgin

Fatma Fatma

Published Audio,
1993
Melodie

Let me Raï

Published Audio,
1990
Virgin: 1990

Prince of Raï/ Le Prince du Raï

Published Audio,
1989
Shanachie: USA 1989 / Sonodisc: Frankreich 1989

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Blue Stage

Multimedia Installation

(18 August 00 - 30 September 00)

Www

Homepage des Künstlers