Simphiwe Dana

Article Works Merits Projects www
country/territory:
created on:
June 11, 2010
last changed on:
Please note: This page has not been updated since June 16, 2010. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
Simphiwe Dana
Simphiwe Dana © Promo

Article

Spiritueller Afro-Soul

Sie verkörpert ein junges, urbanes Südafrika mit anmutigem Stolz und charmantem Charisma. Ihr Erbe bezieht sie aus dem Gospelgesang, ihre Inspirationen aus Soul und Jazz, ein House-Beat steht gleichberechtigt neben den traditionellen Rhythmen ihres Volkes, den Xhosa. Das freie und noch immer so verletzliche Südafrika wurde wohl noch nie so selbstbewusst in Tönen eingefangen. Mit gutem Gewissen kann man sagen: Diese Frau ist die Zukunft des Afro-Soul.
Aufgewachsen ist Simphiwe Dana in der ländlichen Gegend von Butterworth, in der früheren Transkei. „Wir hatten weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser, zum Kochen holten wir Holz aus den Wäldern. Ich erinnere mich an die wilden Tiere und wie man uns Kindern von schwarzer Magie erzählte. Es war eine friedliche, unbeschwerte Kindheit. Mit Musik kam ich vor allem bei den traditionellen Dorffesten und Zeremonien in Kontakt, denn mein Großvater hatte zwar ein Radio, aber die Batterie war teuer und er stellte es nur für die Nachrichten an. Meine Mutter hat uns gezwungen, zum Gottesdienst zu gehen, ob wir wollten oder nicht“, rekapituliert sie ihre Kindertage.

Doch in der Kirche beginnt schließlich auch ihre Liebe zum Gesang, sie fühlte die Energie des Schöpfers durch die Musik, sagt sie. „Im Chor war ich aber so schüchtern, dass ich drei Jahre lang das Singen nur mimte, bis eines Tages meine Stimme richtig aus mir heraus brach. Am liebsten sang ich für mich allein, denn ich merkte schon damals,. dass sich die Musik genau wie das göttliche Prinzip nicht in die Mauern der Kirche einsperren lässt. Ich ging in die Berge, nur begleitet von meiner Hündin, wanderte dort umher und sang meine eigenen frühen Songs.“ Und dabei entwickelt sie den großen Traum, Sängerin zu werden.

Auf dem Weg dorthin sind viele Hürden zu überwinden: Als älteste von vier Töchtern muss sie die Mutter unterstützen, beginnt in Johannesburg ein IT- und Grafikdesign-Studium. Abends jedoch nimmt sie in ihrem Apartment auf einem billigen Mixer ihre ersten Lieder auf. Mit diesen Demos zu einer Plattenfirma zu gehen, wagt sie nicht, erst durch einen Freund kommt sie zu einer Promoterin, die ihr Potenzial erkennt, ihr Zeit einräumt, die Musik mit einer Band weiterzuentwickeln. Langsam nimmt ihr erstes Werk „Zandizile“ Formen an und revolutioniert in vielerlei Hinsicht die moderne südafrikanische Musik.
Es ist ein Sound, der nicht auf schnelle Effekte zielt: Die Dramaturgie der Stücke entwickelt sich mit souligem Gemach und ruhigem Herzschlag. Bedächtig deklamierend, mit schwellendem, tiefem Timbre singt sie, lässt viel Raum für beschwörende Hintergrundchöre. Sie ist eine Meisterin darin, Spannungsbögen ganz ohne Akrobatik aufzubauen, in einem Setting aus ruhigen Phrasen vom Flügel, melodischen Bassläufen und ganz feinen Gitarrentupfern. Umso wirksamer schwingt sie sich unvermittelt mit Inbrunst und Spirit zu explosiver Vokalkraft auf. Simphiwe Danas Songs stilistisch einzuordnen, fällt schwer und die Vergleiche hinken alle ein wenig:

„Ich bin als neue Miriam Makeba bezeichnet worden, und man hat meine Musikalität mit der Marvin Gayes und Erykah Badus verglichen. Es ist eine Ehre für mich, dass diese Leute in einem Atemzug mit mir genannt werden, aber mein Stil passt nirgendwo rein“, so schätzt sie sich selbst ein. „Auch mit der aktuellen südafrikanischen Popmusik, dem Kwaito, fühle ich mich nicht verwandt. Ich beziehe mich auf das Erbe meines Volkes, der Xhosa, arbeite mit Elementen aus Gospel und Jazz, aber letztendlich ist es meine ganz eigene Sprache.“ Am besten kann sie diese mit Lyrics in ihrer Muttersprache umsetzen, die selbst von anderen Völkern Südafrikas als äußerst expressiv gesehen wird. Denn von harmlosen Wortplänkeleien ist sie denkbar weit entfernt:

Dana greift die Regierung an, die die geradezu groteske Kluft, die sich seit 1994 zwischen Arm und Reich aufgetan hat, nicht bekämpft, und sie arbeitet die Wunden auf, die die Apartheid-Ära geschlagen hat. Die meisten Schwarzen, so ihre Überzeugung, fühlen sich immer noch als Verlierer, als Niemand, könnten sich nicht selbst lieben und säen deshalb Gewalt. Die Politik hilft ihnen nicht bei der Bewältigung der Vergangenheit, meint sie: „Der ANC hat uns verraten. Es ist soweit, dass wir wieder eine Revolution brauchen. Nichts hat sich für uns Schwarze verbessert. Wir müssen uns wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir Helden haben: Mutige, willensstarke Menschen, die für ihre Überzeugung in den Tod gegangen sind, wie Bantu Biko.“ Ihr zweites Album hat sie dem mutigen Freiheitskämpfer gewidmet.

Zornig ist ihre neueste Musik bei all diesen bitteren Tönen, die sie im Interview äußert, nicht geworden. Im Gegenteil: Simphiwe Danas drittes Werk zeigt viele balladeske, ruhige Töne, die von einem panafrikanischen Grundton getragen werden. Afrobeat aus Nigeria ist eingeflochten, Musiker aus Moçambique bereichern die Arrangements. „Kulture Noir“ heißt die CD, die schon im Titel den anglo- sowie den frankophonen Teil des schwarzen Kontinents ansprechen will, um koloniale Brüche zu kitten. Die Texte sind noch ein wenig spiritueller geworden, sprechen vom inneren Licht, von bedingungsloser Liebe.

Simphiwe Dana ist ein stiller Star, der so gar nicht ins hektische Business der Fußball-WM passt, in dem auch Plattenfirmen ihr Stück vom Kuchen abschneiden wollen. „Kulture Noir“ erscheint erst, wenn die Großveranstaltung fast vorüber sein wird. Und trotzdem gibt es auch in ihrer aktuellen Arbeit sportliche Querverweise, die für großes Erstaunen sorgen: Demnächst gibt sie im Kinofilm “Themba“ ihr Schauspieldebüt. In der Story über einen fußballverrückten HIV-positiven Jungen spielt sie die Hauptrolle der Mutter Mandisa – an der Seite von niemand geringerem als dem deutschen Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann.

„Ich hatte keinerlei Ahnung von der Filmwelt, wusste nicht einmal was „Cut“ bedeutet. Aber die Regisseurin Stefanie Sycholt wusste genau, wie sie aus mir das schauspielerische Potenzial herausholen kann und schließlich habe ich mich sehr wohl am Set gefühlt.“ Und noch etwas hat sie bewogen, die Rolle anzunehmen: Die Art, wie die Mutterfigur Mandisa lebt, in dieser einfachen, ländlichen Umgebung, das versetzte sie unmittelbar in ihre eigene Kindheit in Butterworth zurück. Von dort aus ist diese stolze Frau einen langen Weg gegangen.
Author: Stefan Franzen

Works

South Africa presents: Women with a Voice (Compilation)

Published Audio,
2007
Skip Records, 2007

The One Love Movement On Bantu Biko Street

Published Audio,
2006
Gallo, Skip Records

Zandisile

Published Audio,
2004
Gallo, Skip Records

Merits

7 South Africa Music Awards (SAMA);
AVO Session Arising Star Award (2006);
Nominiert für die 2008 BBC Radio 3 Awards für „Best Artist“ in der Kategorie World Music/Afrika

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Cup of Cultures

Public Viewing, Pop and Poetry

(11 June 10 - 11 June 11)

Www

Official Homepage