Eric Andersen

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January 3, 2008
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Schimäre und lebende Legende

Der dänische Fluxus- und Intermediakünstler Eric Andersen ist eine Schimäre und lebende Fluxus-Legende. Als Fluxuskünstler der ersten Stunde sind seine Aktionen und Arbeiten darauf angelegt, beim Publikum eine größtmögliche Irritation und Desorientierung zu bewirken. Möglicherweise wurde Eric Andersen 1940 in Antwerpen geboren, vielleicht war es auch 1942 in Kopenhagen. Fest stehen könnte: Eric Andersen wurde nicht 1935 in New York geboren. Ebenso seine künstlerischen Kompositionen, die er „Opus“ nennt und nummeriert: Zwar benutzt er eine Nummer nie zwei Mal für das gleiche Werk. Trotzdem könnte, was gestern Opus 31 war, heute schon Opus 32 oder auch Opus 2015 heißen.
1962 nahm Andersen erstmalig an einem der frühen Konzerte der Fluxus-Bewegung teil. Bereits zwei Jahre später wurde er von George Mačiūnas, dem selbst ernannten Fluxus-Kapitän, unehrenhaft aus der Gemeinschaft der Fluxuskünstler entlassen.
Sein Vergehen: Andersen hatte 1964 mit seinem Bruder Tony eine „Grand Tour“ durch Osteuropa unternommen. Von unterwegs schrieb er mit großer Begeisterung an Mačiūnas von Performances, die auf dem Roten Platz stattgefunden hätten und zwar mit seinen Künstlerfreunden Tomas Schmit, Arthur Köpcke und Emmett Williams. Sie hätten eine Komposition von Mačiūnas - In memoriam to Adriano Olivetti - aufgeführt und dabei auf den Roten Platz gepisst. Mačiūnas, der Fluxus als Anti-Kultur-Export-Gut für die Sowjetunion plante und zu diesem Zweck auch an Nikita Chruščev geschrieben haben wollte, war erzürnt und formulierte eine Pressemitteilung, in der die vermeintlichen Übeltäter denunziert wurden:

„We wish to denounce these four renegades and impostors most emphatically and wish to advise that no further opportunity be given them to exhibit their scandalous activities. We wish to express our full agreement with the criticism and denunciation of thier activities published in the Soviet Press.“

So bleibt die Frage, was Andersen und sein Bruder wirklich im damaligen Osten taten. Die in Wohnungen aufgeführten Performances sind nicht dokumentiert. Im Vordergrund stand die Aktion, nicht die Dokumentation, was viel Raum für Legendenbildung zulässt.

Andersen blieb ein häufiger Gast im damaligen Ostblock. 1966 bestritt er gemeinsam mit den ebenfalls „ausgestoßenen“ Fluxus-Künstlern Tomas Schmit und Arthur Köpcke ein dreitägiges Event in Prag, das neben den Aktionen Milan Knížáks häufig als das erste Fluxus-Happening in der Tschechoslowakei gilt. Auch in den 70er und 80er Jahren führten ihn zahlreiche Reisen vor allem nach Polen, wo er etwa in der Galeria Akumulatory 2 von Jarosław Kozłowski in Poznań, und in der Galeria Potocka in Krakau bei Performances auftrat.

Wesentliches Element bei Andersens Performances ist das Publikum. Das gilt nicht nur für seine Fluxus-Aktionen, auch seine Installationen entstehen erst gemeinsam mit den Rezipienten. So installierte Andersen in der Nikolai-Kunsthalle in Kopenhagen einen „Crying Space“ – einen Raum für die laut Andersen nur schwer dekodierbaren menschlichen Tränen. Die Installation enthält verschiedene Objekte, die Tränen hervorrufen können. Die in der Installation vorhandenen „Crying Stones“ verändern durch die (mineralhaltigen) Tränen der Besucher allmählich ihre Gestalt.
Author: Petra Stegmann

Bio

1940 geboren in Antwerpen
Lebt in Kopenhagen

Eric Andersen ist einer der Künstler, die sich schon sehr früh (ab 1959) mit intermedialer Kunst auseinandersetzten. In seinen Opus-Stücken der frühen 60er Jahre untersuchte er vor allem die offene Interaktion zwischen Performer und Publikum. Er entwickelte offene Werke, die sich selbst verändern, „arte strumentale“. Im November 1962 nahm er beim Festum Fluxorum in der Nikolai Kirke, Kopenhagen, erstmals an einem Fluxus-Konzert teil und wirkte in den nächsten Jahren in einer Reihe von Fluxus-Festivals und Aktionen mit. Von 1962 bis 1966 bestand eine enge Zusammenarbeit mit Arthur Köpcke. In den späten 1960ern war Andersen in der Mail Art aktiv und seit den 1970ern setzte er sich intensiv mit dem geografischen Raum auseinander. Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Hidden Paintings“, „Crying Spaces“, „Confession Kitchens“, „Lawns that turn towards the Sun“ und „Artificial Stars“.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Europe Now | Europe Next

(01 August 06 - 31 July 07)