Jaroslaw Kozlowski

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January 6, 2008
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Zeit, Raum, Ding, Netz

Jarosław Kozłowski gilt als Pionier der Konzeptkunst in Polen. Seit 1967 ist er auf zahlreichen Ausstellungen in Polen und im Ausland vor allem mit Installationen vertreten, in denen er sich verschiedenster Medien bedient: Zeichnungen, Fotografien, Licht, Klänge, Objekte. Aber nicht nur als Künstler, auch als Kunstvermittler gehört Kozłowski zu den wichtigsten Protagonisten des polnischen Kunstbetriebs. So präsentierte er noch zu sozialistischen Zeiten in der von ihm gemeinsam mit Studenten gegründeten Galeria Akumulatory 2 in Poznań von 1972 bis 1989 das Who is Who der internationalen Konzept- und Aktionskunst.
Begonnen hatte die Aktivität um die Galeria Akumulatory 2 mit der Aktion NET, einem 1971 gemeinsam mit Andrzej Kostołowski verfassten Manifest, das einlud, ein internationales Netzwerk zu schaffen und Künstler über Länder- und Systemgrenzen miteinander verbinden sollte:

NET
• ein NET ist offen und inkommerziell
• Punkte des NET sind: private Wohnungen, Studienplätze, und alle anderen, in denen Kunstaussagen formuliert werden
• diese Aussagen werden denjenigen dargestellt, die an ihnen interessiert sind
• sie können begleitet sein von Ausgaben in Form von Drucken, Kassetten, Dias, Fotos, Katalogen, Büchern, Filmen, Flugblättern, Briefen, Manuskripten, etc.
• NET hat keinen Zentralpunkt oder jegliche Koordination
• NET-Punkte können überall sein
• alle NET-Punkte sind untereinander in Kontakt und tauschen Konzepte aus, Aussagen, Projekte und andere Formen der Artikulation
• die Idee des NET ist nicht jetzt und in diesem Moment hört es auf, eine autorisierte Idee zu sein
• NET kann beliebig entwickelt und kopiert werden


Das an etwa 300 internationale Künstler in West und Ost verschickte Manifest stieß auf ein großes Echo. Kozłowski und Kostołowski erhielten zahlreiche Künstlertexte und Arbeiten, die – ausgestellt in Kozłowskis Privatwohnung – noch während der Eröffnung beschlagnahmt wurden. Diese Erfahrungen aber auch das überaus fruchtbare und weitläufige Kontaktnetz, das durch NET entstanden war, gaben schließlich den entscheidenden Impuls für die Gründung der Galeria Akumulatory 2. Hier wurden Ausstellungen organisiert u.a. mit Arbeiten von Richard Long, Michael Craig-Martin, Endre Tót, Emmett Williams, Lawrence Weiner, Susan Hiller, Raimund Girke, Dick Higgins und vielen vielen anderen. Die Galeria Akumulatory 2 war darüber hinaus Schauplatz eines einmaligen Events der Fluxus-Geschichte; hier fand 1977 ein Fluxus-Festival statt, das aus der Ferne von George Mačiūnas instruiert und in Poznań von lokalen Akteuren durchgeführt wurde. Die Auseinandersetzung mit Fluxus war für Kozłowskis Arbeit in der Folge von großer Bedeutung und inspirierte ihn zu einer verstärkten Einbeziehung humoristischer Elemente in seine bis dato eher streng konzeptuellen Arbeiten.

In den 1970er Jahren schuf Kozłowski vor allem von Linguistik und Semiotik geprägte Arbeiten. Er veröffentlichte Künstlerbücher, in denen er das System der Sprache spielerisch analysierte, so z.B. „Grammar“ (1973), ein Büchlein, das den englischen Verbformen und ihren „tenses“ gewidmet ist. So wird das Beispiel „what was, it was, what will be, it will be“ über „what was being, it was being; what will be being, it will be being“ und „what had been, it had been; what will have been, it will have been“, bis hin zu „what had been being, it had been being; what will have been being, it will have been being“ konjugiert und komplett ad absurdum geführt. Das Aufzeigen der sprachlichen Möglichkeiten wirft zugleich Fragen danach auf, inwiefern ein Abstractum wie „Zeit“ sich mittels der durch die verschiedenen Verbformen dargestellten Aspekte fassen und begreifen lässt. Das Buch gibt sich darüber hinaus noch als Lehrbuch aus und instruiert den Leser zur Bildung weiterer grammatikalischer Monstren.

Ein weiteres Künstlerbuch „Reality“ (1972) gibt einen Auszug aus Kants „Kritik der reinen Vernunft“ wieder. Allerdings beschränkt sich das Exzerpt auf das Abdrucken der Satzzeichen; sämtliche Buchstaben fehlen. Was also konstituiert einen Text und welche Bedeutung wird durch die ausschließliche Verwendung von Punkten, Kommata, Gedankenstrich und Klammer überhaupt noch transportiert?

In den 1980er Jahren konzentrierte sich Kozłowski auf MITOLOGIE SZTUKI (Mythologien der Kunst) genannte Arbeiten. In Installationen dekonstruierte er mit der Kunst verbundene Mythen, so den Mythos der Originalität, den Mythos künstlerischer Freiheit, den Künstlermythos, den Mythos des Werts usw.

In den 1990er Jahren entwickelte Kozłowski in Gesprächen mit dem Kunsttheoretiker Jerzy Ludwiński die Konzeption des so genannten „Dritten Kreises“ (trzeci krąg), der ein alternatives Territorium der Kunst bilden soll, das weder Mythos noch Realität ist, aber gleichermaßen Elemente der Wirklichkeit als auch einer von jeglichen Anleihen und Entlehnungen befreiten Kunst enthalten soll. In den Arbeiten, mit denen er auf den „Dritten Kreis“ Bezug nimmt, kommen vor allem alltägliche funktionale Gebrauchsgegenstände zum Einsatz, die aus ihrem gewöhnlichen Kontext gerissen wurden, und auch außerhalb der üblichen symbolhaften Bedeutungen, die ihnen oft von der Kunst oktroyiert werden, funktionieren. So gelangen sie zu einer neuen Identität und gewinnen ihre verlorene Würde wieder – wie Kozłowski meint. Ein Beispiel aus diesem Zeitraum ist die 1993 entstandene Arbeit „Ostre Przedmioty“(Scharfe Gegenstände), für die er Möbel und Gegenstände mit einer Sense zerschlug und mit schwarzer Farbe übermalte. Die Zerstörung wird zum Akt der Emanzipation für die Gegenstände. Als würden sie sich gegen die ihnen zugedachten Funktionen verwehren. So lässt sich auf dem Sofa nicht mehr sitzen, die Schreibmaschine verweigert das Schreiben, etc. Die Objekte haben gleichsam eine neue Bewusstseinsstufe erreicht. Eine kleine Spur der ursprünglichen Farbe der Gegenstände ist jeweils geblieben und verdeutlicht die durchlaufene Metamorphose noch zusätzlich.

Eine Arbeit aus jüngster Zeit ist „Zaslony“(Vorhänge), eine Serie großformatiger Aquarelle mit netzartigen monochromen Strukturen, die 2006 in der Krakauer Galerie Starmach zu sehen waren. Kozłowski, der die Malerei über lange Zeit aufgegeben hatte, da sie ihm zu schnelle und einfache Befriedigung zu versprechen schien, begann vor wenigen Jahren dieser Technik – auch aus einer Abneigung gegen die überdominante Einbeziehung der neuen Medien in die aktuelle Kunst – eine neue Chance zu geben. Die mit Glasplatten geschützten und von Masken ergänzten großformatigen Aquarelle sollen als Schutzschild gegen 22 Übel unserer Zeit dienen: Gegen Dummheit, Geschmacklosigkeit, Täuschung, Rüpelei, Gewalt, Grausamkeit, Demütigung, Leiden, Gemeinheit, Sklaverei, Intoleranz, Fanatismus, Fremdenfeindlichkeit usw. Ein praktischer Zweck wird so der Malerei zugeschrieben, deren Grundfunktion – laut Kozłowski – es ist, mit Farbschichten die Oberfläche des Papiers zu verbergen, wie ebenso das Gemälde die dahinter liegende Wand verbirgt. Integraler Bestandteil der Arbeit ist das Gesicht des Betrachters, der sich in den Glasrahmen der Aquarelle spiegelt.
Author: Petra Stegmann

Bio

Kozłowski studierte 1963-69 Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (seit 1996: Akademie für Bildende Kunst) in Poznań, wo er seit 1969 auch unterrichtete. 1972 knüpfte er – zusammen mit Andrzej Kostołowski – mit der Aktion NET zahlreiche Kontakte zu Künstlern in Ost und West. Von 1972 bis 1990 leitete Kozłowski die Galeria Akumulatory 2. 1979 war Kozłowski Stipendiat des British Council, 1984/85 des Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Von 1991-1993 war er Kurator am Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Warschau. Kozłowski ist Professor an der Akademie für Bildende Kunst, Poznań.

Works

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
2007 For a Special Place, Austrian Cultural Forum, New York, USA Occupying Space, Muzejom Suvremene Umjetnosti, Zagreb, Kroatien Ars Baltica, Burgkloster zu Lübeck, Lübeck, Deutschland W Polsce, czyli gdzie?, CSW, Warschau, Polen How To Live Together? 27a Bienal de Sao Paulo, Sao Paulo, Brasilien ...und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet, Generali Foundation, Wien, Österreich Art, Life and Confusion, Belgrad Biennale, Belgrad, Serbien 2006 Habitat, Muzeum Narodowe, Szczecin, Polen 2005 Schrift, Zeichen, Geste, Kunstsammlungen Chemnitz, Chemnitz, Deutschland Moskwa-Warschau 1900-2000, Galeria Tretiakovska, Moskau, Russland Sicht der Dinge, Ostdeutsche Galerie und Museum, Regensburg, Deutschland Ankunft, Emerson Galerie, Berlin, Deutschland Egocentryczne, niemoralne, przestarzałe, Galeria Zachęta, Warschau, Polen 2004 Polonium 209, Forum des Cordeliers, Toulouse, Frankreich Beyond Geometry, Los Angeles Museum of Art, Los Angeles, USA Alfabet, Galeria AT, Poznań, Polen Collected Views from East or West, Generali Foundation, Wien, Österreich Warschau-Moskwa 1900-2000, Galeria Zachęta, Warschau, Polen 2003 Konturi Siemi, Fine Art Museum, Samara, Russland Czytanie przestrzeni, Galeria Plastyfikatory, Luboń, Polen 2001 The Art of Eastern Europe in Dialogue with the West, Orangerie Congress, Innsbruck, Deutschland Hommage a Jerzy Ludwiński, Galeria R, Poznań, Polen Negocjatorzy Sztuki, Bunkier Sztuki, Krakau, Polen 2000 Negocjatorzy sztuki, CSW Łaźnia, Gdańsk, Polen Visual Art - Simple Life, Haus für Medienkunst, Oldenburg, Deutschland Arte Conceitual, Museu de Arte Contemporanea, Sao Paulo, Brasilien Collection 2000+, Moderna Galeria, Ljubljana, Slowenien Chaos a rad, Narodni Galeria, Prague, Tschechische Republik DO-OD, Bunkier Sztuki, Krakau, Polen Czas i chwile, Galeria Stara, Lublin, Polen 1999 Refleksja konceptualna w sztuce polskiej 1965-1975, CSW, Warschau, Polen Chronos und Kairos, Museum Fridericianum, Kassel, Deutschland Mediacje, Inner Spacer, Poznań, Polen 1997 Lengyelorszag Muveszet 1945-1996, Mücsarnok, Budapest, Ungarn 1995 Orientation, International Istanbul Biennale, Istanbul, Turkei 1994 Europa, Europa, Kunst- und Ausstellungshalle, Bonn, Deutschland 1992 SŁYSZENIE SZTUKI, CSW Zamek Ujazdowski, Warschau, Polen KSIĄŻKI I STRONY, CSWZamek Ujazdowski, Warschau, Polen Polnische Avantgarde 1930-1990, Kunsthalle, N.B.K., Berlin, Deutschland 1990 8th Biennial of Sydney, Sydney, Australien 1980 SZTUKA LAT 70-TYCH, Galeria Labirynt, Lublin, Polen 1977 X Biennale de Paris, Paris, Frankreich 1976 Pan-Conceptuals, Maki Gallery, Tokio, Japan 1975 The Media Exhibition, Moderna Museet, Stockholm, Schweden Signifying, The Kyoto Museum of Art, Kyoto, Japan Contemporanea, Villa Borghese, Rome, Italien 1974 Perspective 74, Museum de Arte Contemporanea, Sao Paulo, Brasilien The World Uprising III, ISRC, Nagano-ken, Japan 1973 Omaha Flow Systems, Joslyn Art Museum, Omaha, USA 1972 Espace-Situation´72, Galerie Impact, Lausanne, Frankreich 1971 4. BIENNALE FORM, Galeria EL, Elbląg, Polen 1970 8. SPOTKANIE ARTYSTÓW I TEORETYKÓW SZTUKI, Świdwin – Osieki, Polen

Einzelausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
2007 Muzeum Okręgowe, Kalisz, Polen Figury retoryczne III, Galeria Le Guern, Warschau, Polen 2006 Figury retoryczne, Galeria Oko/Ucho, Poznań, Polen Galeria Starmach, Krakau, Polen Cysterna, CSW, Warschau, Polen 2005 Emerson Galerie, Berlin, Deutschland Galeria XXI, Warschau, Polen 2004 Kunstverein, Regensburg, Deutschland 2002 Galeria Muzalewska, Poznań, Polen Galeria R, Poznań, Polen 2001 BWA, Zielona Góra, Polen 2000 Dum Umeni, Brno, Polen Galeria Kameralna, Słupsk, Polen 1999 Matt´s Gallery, London, UK 1998 CSW Zamek Ujazdowski, Warschau, Polen 1997 Muzeum Narodowe, Poznań, Polen 1996 Muzeum Okręgowe, Bydgoszcz, Polen 1995 Museet for Samtidskunst, Oslo, Schweden Matt´s Gallery, London, UK 1994 Galeria Arsenał, Białystok, Polen Muzeum Sztuki, Łódź, Polen 1993 H.C.A.K., Haga, Polen 1992 Galerie l´Ollave, Lyon, Frankreich CSW Zamek Ujazdowski, Warschau, Polen Kunsthalle, Berlin, Deutschland Tapko, Kopenhagen, Niederlande 1991 Museum Wiesbaden, Wiesbaden, Deutschland Galerie Nikolaj, Kopenhagen,Niederlande Galeria Potocka, Krakau, Polen 1990 The New Museum of Contemporary Art, New York, USA Matt´s Gallery, London, UK 1989 Kunsthallen, Odense, Dänemark 1987 Galeria Piwna 20/26, Warschau, Polen 1986 Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Deutschland Matt´s Gallery, London, UK 1984 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1985 daadgalerie, Berlin, Deutschland Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1984 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1983 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen Galerie Kanal 2, Kopenhagen, Niederlande Galeria Piwna 20/26, Warschau, Polen 1982 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen Matt´s Gallery, London, UK Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1981 Galeria Piwna 20/26, Warschau, Polen Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1980 Matt´s Gallery, London, UK Galeria Piwna 20/26, Warschau, Polen Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1979 Galerie Rene Block – Berlin, Deutschland Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1978 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1977 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1976 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen Galeria Foksal, Warschau, Polen 1975 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen 1974 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen Galeria Foksal, Warschau, Polen 1973 Galeria Akumularory 2, Poznań, Polen Galeria Foksal, Warschau, Polen 1972 Galeria Foksal, Warschau, Polen 1971 Galeria Foksal, Warschau, Polen 1968 Galeria Współczesna, Warschau, Polen Galeria Pod Moną Liza, Wrocław, Polen 1967 Galeria odNowa, Poznań, Polen

Projects

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Europe Now | Europe Next

(01 August 06 - 31 July 07)