Nedim Gürsel wurde 1951 in Gaziantep in der Türkei geboren. Bereits Ende der sechziger Jahre veröffentlichte er erste Novellen und Essays in türkischen Literaturzeitschriften. Nach dem Staatsstreich von 1971 musste er sich für einen seiner Artikel vor Gericht verantworten, woraufhin er nach Frankreich ging. Er studierte an der Pariser Sorbonne Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und schrieb seine Dissertation über Nâzim Hikmet und Louis Aragon. 1979 kehrte Gürsel in die Türkei zurück, doch der Militärputsch von 1980 trieb ihn erneut ins französische Exil. Dort schrieb er Artikel und Reiseberichte, die in „Le Monde“ aber auch in den türkischen Zeitungen „Cumhuriyet“ und „Milliyet“ erschienen. Heute lehrt er an der Sorbonne und leitet das Centre National de la Recherche Scientifique, an dem er außerdem als Lektor für Türkische Literatur tätig ist.
1976 erschien Gürsels erster Erzählband „Uzun Sürmü? Bir Yaz“ („Ein Sommer ohne Ende“), für den er sogleich die höchste Literaturauszeichnung der Türkei, den Preis der türkischen Akademie, erhielt.
Elf Jahre später folgte sein erster auch international vielbeachteter Roman „Bo›azkesen“, der unter dem Titel „Der Eroberer“ (1998) auf Deutsch vorliegt. Darin wird geschildert, wie im Spätsommer 1980 ein Schriftsteller in Istanbul von seinem Romanhelden, der historischen Gestalt des grausamen und zugleich feingeistigen Sultan Mehmet II., so sehr fasziniert ist, dass für ihn Vergangenheit und Gegenwart eins werden und seine Überidentifikation auch ihn zum Verbrecher werden lässt. Was sich an der Oberfläche wie ein farbenprächtiger historischer Roman über Leidenschaft, Leben und Tod anlässt, erweist sich als eine kritische Auseinandersetzung mit der Militärdiktatur zu Anfang der achtziger Jahre. Gürsel wurde für sein realistisches Bild des Eroberers Mehmet, der für die Fundamentalisten ein Heiliger ist, in seiner Heimat Vaterlandsverrat vorgeworfen.
Im Roman „Resimli Dünya“ (1999 dt. „Turbane in Venedig“, 2002) lässt der Autor die osmanische Kultur im Spannungsfeld mit der italienischen Renaissance lebendig werden. Der Originaltitel bedeutet wörtlich „Die Welt mit Bildern“ und kann auch als Verweis auf die üppige Bildhaftigkeit von Gürsels phantastischen Romanen verstanden werden. Die Geschichte der Türkei und Europas sowie orientalische Erzähltraditionen bilden den Hintergrund zu den Werken Gürsels, der heutzutage neben Ya¢ar Kemal und Orhan Pamuk zu den wichtigsten Schriftstellern der Türkei zählt.
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)
Allah´in Kizlari
Published Written,
2008
The Daughters of Allah
Sieben Derwische
Published Written,
2008
Insel Verlag: Frankfurt am Main
Izler ve Gölgeler
Published Written,
2005
Edition Orient Vertrieb
Sag Saglim Kavussak, Çocukluk Yillari
Published Written,
2004
(In the country of captive fish—a Turkish childhood)
Uzun Sürmüs Bir Yaz
Published Written,
2003
Edition Orient Vertrieb
Balcon sur la Méditerranée
Published Written,
2003
Ed. Du Seuil: Paris
Turbane in Venedig
Published Written,
2002
Ammann: Zürich
Der Eroberer
Published Written,
2000
btb: München
Paysage littéraire de la Turquie contemporaine
Published Written,
1993
L´Harmattan: Paris
Ein Sommer ohne Ende
Published Written,
1988
Dagyeli: Frankfurt/Main, 1988
Die erste Frau
Published Written,
1986
Dagyeli: Frankfurt/Main
Artikel im Tagesspiegel
Solidarität bei Prozess gegen Nedim Gürsel (08.05,2009)
Artikel in der Huffington Post
Nedim Gursel: Turkish Author Tried For Insulting Islam (05.26.09)