Isaac Julien

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August 30, 2004
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Die Konstruktion des Selbst

Seine Filme handeln von der Suche nach Identität, einer eigenen Geschichte, einer eigenen Sexualität. Isaac Julien, Jahrgang 1960, ist einer der engagiertesten und unbequemsten Vertreter der britischen Videokunst - auch weil er als einer der wenigen die Probleme der zweiten, in Großbritanien geborenen Generation von Einwanderern zum Thema seiner oft abendfüllenden Filmarbeiten macht. 2002 war Julien auf der Documenta 11 vertreten; ein Jahr darauf erhielt er den ersten Preis bei der Kunstfilmbiennale Köln.
Als der 1960 in London geborene Künstler und Filmemacher Isaac Julien im Jahr 2001 überraschend für den Turner-Prize nominiert wurde, reagierte die britische Kunstkritik größten Teils ablehnend bis feindselig. In evidenter Verkennung der Tatsachen mokierte man sich allgemein über die Berufung eines „in England kaum bekannten Künstlers“ und hielt dem Künstler vor, seine Arbeiten seien „visuell überwältigend und sinnlich“, wie wenn das ein Vergehen wäre. Unvoreingenommene Beobachter kamen damals zu dem Schluss, der Grund für die negativen Berichte läge wohl eher darin, dass die Presse Isaac Julien seinen zu Beginn der achtziger Jahre entfalteten politischen Aktivismus nicht verzeihen mochte.

Ursprünglich zum Maler ausgebildet (an der Londoner St. Martin’s School of Art), war Isaac Julien 1983 einer der Gründer des Filmkollektivs Sankofa, das sich zum Ziel gesetzt hatte, in Großbrittanien eine unabhängige schwarze Filmkultur zu etablieren. In der Folgezeit verlegte sich Julien immer mehr auf Videos, arbeitete daneben auch für Fernsehen und Kinoproduktionen. 1986 entstand die bis dahin anspruchsvollste Arbeit des Sankofa-Kollektivs, The Passion of Rememberence. Der Film, bei dem Julien als Co-Regisseur fungierte, handelt von dem Versuch, die politische Geschichte aus Sicht der Schwarzen zu erzählen, wobei der Problematik der Konstruktion von Identitäten besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Fragen der Identität, der Herkunft, der Sexualität, der individuellen und der kollektiven Erinnerung, von Geschlechterrollen, generell von Leerstellen in der Historie und ihren gesellschaftlichen Determinanten spielen bei Julien auch danach immer wieder eine große Rolle. In vielschichtigen, anspielungsreichen Erzählsträngen werden dabei vermeintliche Gewissheiten, Rechtfertigungen und Erklärungsmuster eines überkommenen Status quo subtil in Zweifel gezogen. Was den im Londoner East End aufgewachsenen Sohn von Immigranten von der Karibik-Insel St. Lucia von den meisten anderen Videokünstlern unterscheidet, ist das Vermögen, Kunstfilme von abendfüllender Länge herzustellen. In „Looking for Langston“ (1989, 40 min), einem Film über den homosexuellen New Yorker Dichter Langston Hughes, behandelte Julien Themen wie Leidenschaft und die Darstellung von Männlichkeit, in „Young Soul Rebels“ von 1991 porträtierte er eine Gruppe von jungen, in Großbritanien zur Welt gekommenen Kindern von Einwanderern, die hin und her gerissen sind zwischen politischem Empfinden und ihrer Sehnsucht nach einem angenehmen Leben.

In den frühen neunziger Jahren begann Julien die Arbeit an raumgreifenden Videoinstallationen, außerdem drehte er Musikclips und die vierteilige Fernsehserie „The Question of Equality“ (1995). 1993 gründete er zusammen mit seinen Freunden, dem Pop-Sänger und Musikproduzenten Jimmy Sommerville (Fine Young Cannibals), dem Filmemacher Steve McLean und dem Drehbuchautoren und Produzenten Mark Nash die Firma Normal Films, die sich auf Dokumentationen aus der Schwulen-Szene spezialisierte, darunter „The Attendant“ (1993), „A Darker Side of Black“ (1994) und „Postcards from America“ (1995).

In den letzten Jahren sind Isaac Juliens Arbeiten auf zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt worden, so 2002 auf der Documenta 11 in Kassel, bei der Kunstfilm Biennale in Köln (wo er für seine Hommage an das schwarze Kino der siebziger Jahre und den Regisseur Melvin van Peebles, „Baltimore“, mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde) und auf der 3. Berlin-Biennale 2004. Der Künstler ist darüber hinaus auch als Theoretiker und Hochschullehrer hervorgetreten, nahm Gastprofessuren in Harvard und am Goldsmith-College in London wahr. Isaac Julien lebt in London.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1960 geboren in London
1980 Summer Show der Royal Academy of Arts
Studium Fine Arts and Film, St. Martin School of Arts, London
1983 Gründung Filmkollektiv Sankofa
Gastprofessuren in Harvard und am Goldsmith-College, London

Works

Bibliograhy

Published Written
Julien, Isaac; MacCabe, Colin: Diary of a Young Soul Rebel, London 1991 Mercer, Kobena; Darke, Chris; Julien, Isaac: Ellipsis Minigraph, London 2001 Orgeron, Devin Anthony; Orgeron, Marsha Gabrielle: „Interventions“ - An Interview with Isaac Julien, Coil 9-10, 2000, S.110-119 Annette Kuhn, Reference Guide to British and Irish Film Directors The Gap Show (Kat.), Museum am Ostwall, Dortmund 2002 Screen Memories (Kat.), Art Tower Mito, Mito 2002 Turner Prize, (Kat.), Tate Gallery, London 2001 The Film Art of Isaac Julien (Kat.), Bard Center for Curatorial Studies, New York 2000 Frantz Fanon, K Films Edition, 1998 Okwui Enwezor (Hg.): Documenta 11 (Kat. und Kurzführer), Ostfildern/Ruit, New York 2002

Films

Film / TV
2003 Baltimore 2002 Paradise Omeros 2000 Vagabondia 1999 Long Road to Mazatlan Conservators Dream Three 1997 Fanon SA 1996 Trussed 1995 Cartooned Life

Group Exhibitions

Exhibition / Installation
2003 Art Lies & Video Tape, Tate Liverpool, Liverpool; Independence, South London Gallery, London 2002 Documenta 11, Kassel; The Future of Cinema, ZKM Karlsruhe 2001-2002 Unpacking Europe, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam; The Short Century, Museum Villa Stuck, München; Martin-Gropius-Bau, Berlin; Museum of Contemporary Art, Chicago; P.S.1 Contemporary Art Center, New York 1999 Your Steps, Sir John Soanes Museum, London 1998 Rapsodies in Black, The California Palace of the Legion of Honour, Fine Arts Museum of San Francisco; The Corcoran Gallery of Art, Washington; Museum of Fine Art, Houston, USA

Solo Exhibitions

Exhibition / Installation
2003 Baltimore and Paradise Omeros, Victoria Miro Gallery, London; Baltimore, Metro Pictures, New York; Yvon Lambert, Paris; Bohen Foundation, New York 2002-2000 The Film Art of Isaac Julien, Bard Curatorial College, Annandale on Hudson, New York; Museum of Contemporary Art, Sydney; Bildmuseet Umeå, Sweden; Henie Onstad Museum, Oslo; Yerba Buena Center, San Francisco 2001 Fabric Workshop, Philadelphia 2000 The Long Road to Mazatlan, Museum of Contemporary Art, Chicago; After Mazatlan, Victoria Miro Gallery, London 1999 The Long Road to Mazatlan, Art Pace, San Antonio Fanon S.A., The Arena, Oxford Brookes University

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)