Ningali Lawford

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May 16, 2003
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Ningali Lawford
Ningali Lawford

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Ningali Lawford ist eine der angesehensten Aborigine-Performerinnen Australiens. In ihren Shows nutzt sie traditionellen und zeitgenössischen Gesang und Tanz, die alte Kunst des Geschichtenerzählens, aber auch Stand up-Comedy, um über die Kultur der australischen Ureinwohner und die Probleme des Zusammenlebens in der multikulturellen Gesellschaft Australiens zu berichten. Mit viel Humor fordert sie das Publikum dazu heraus, sich mit ihren Vorurteilen auseinanderzusetzen.
In ihrer mitreißenden Show "Ningali", die 1995 auch im Berliner Haus der Kulturen der Welt zu sehen war, erzählt die australische Künstlerin Ningali Lawford ihre Lebensgeschichte: Geboren unter einem Baum am Rand der "Great Sandy"-Wüste in Nordwest-Australien wuchs Ningali in einer der einsamsten Gegenden der Welt auf. Ihre Eltern lebten in der Aborigine-Gemeinde Wangkatjunka (Christmas Creek Station), wo ihr Vater als Rancharbeiter ein bescheidenes Auskommen hatte. "Wir waren die letzten, zu denen die Kolonisten kamen. Deshalb waren unsere Sprache und unsere Kultur zum großen Teil intakt", berichtet Ningali Lawford.
Im Alter von 13 Jahren wurde sie in ein Internat nach Perth, der Hauptstadt West-Australiens geschickt 2500 Kilometer entfernt von ihrem Zuhause. Die Anzahl der Weißen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte, konnte sie an einer Hand abzählen. Papiergeld hatte sie noch nie in der Hand gehabt. Mit 16 bewarb sie sich eher zum Spaß auf ein Austauschstipendium für die U.S.A. Dazu aufgefordert, ihre bevorzugte Stadt anzugeben, nannte sie Hollywood, die einzige amerikanische Stadt von der sie bis dahin gehört hatte. Mit Hollywood klappte es nicht, und Ningali Lawford wurde nach Alaska geschickt ein Abenteuer für ein junges Mädchen, dessen Sprache kein Wort für "Schnee" kennt.

Nach ihrer Rückkehr aus Alaska arbeitete sie für kurze Zeit in einem Geschäft in Fitzroy Crossing nahe ihrer alten Heimat. 1988 ging Ningali Lawford dann nach Sydney, um sich dem "Aboriginal Islander Dance Theatre" anzuschließen. 1989 entstand in West-Australien das erste Aborigine-Musical "Bran Nue Dae" und Ningali spielte die Hauptrolle darin. Die Produktion tourte durch ganz Australien ein Meilenstein in der Kultur- und Theatergeschichte und machte Ningali einem breiten Publikum bekannt.

Ihre Erlebnisse bei den Indianern und Eskimos in Alaska machten Ningali bewusst, dass die Situation der australischen Aborigines nicht einzigartig in der Welt ist, aber auch, dass "jammern über die Vergangenheit" kein Weg ist, die Zukunft zu ändern. Daher setzt sie unermüdlich all ihre künstlerischen Fähigkeiten ein, um das Bild der Aborigines in der Wahrnehmung aller Australier zu ändern.

"Ich war es müde, dass die australischen Ureinwohner immer als eine große Gruppe angesehen werden. Es gibt viele verschiedene Aborigine-Nationen mit sehr unterschiedlichen Traditionen und Bräuchen", sagt Ningali Lawford über das Thema ihres Stückes "Solid", das sie 1999 gemeinsam mit Kelton Pell inszenierte, und in dem sie die Spannungen und Gegensätze zwischen dem Leben im Busch und in der Stadt, zwischen Norden und Süden, zwischen traditioneller und moderner Aborigine-Kultur behandelt.

Carol, die Hauptdarstellerin des Stücks, ist eine erfolgreiche Regierungsangestellte, die sich auf dem Weg in ihre Heimatsiedlung in den Kimberleys befindet, wo sie an der Beerdigung ihres Großvaters teilnehmen will. In traditioneller Weise erzogen, hat sie eine starke Bindung an ihre Sprache und Kultur sowie deren Gesetze. Unterwegs trifft sie auf Graham (Kelton Pell), einen "city blackfella" aus Noongar (Perth), der versucht, seinen Problemen mit Alkohol und Drogen zu entfliehen.

In der Comedy-Show "Black and Tran" (2000) setzen Ningali Lawford und Hung Lee einen anderen Aspekt dieses Themas in Szene: Eine Aborigine und ein Vietnamese kommen in eine Bar. Die beiden Personen, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, führen das Publikum auf eine Entdeckungsreise durch die heutige australische Identität. Während die Australierin den Vietnamesen zunächst für einen asiatischen Touristen hält, vermutet er in ihr eine Frau afrikanischen Ursprungs.

Im Verlauf der Show erfährt der Zuschauer, dass beide Australier sind: Sie, deren Vorfahren seit mehr als 40.000 Jahren das Land bewohnen; er, der nach der Flucht seiner Eltern aus Vietnam den größten Teil seines Lebens in Australien verbracht hat. So unterschiedlich ihre kulturellen Hintergründe auch sein mögen, sie teilen die Erfahrungen von Rassenvorurteilen und Außenseiter-Dasein.

Die Geschichte und die Probleme der "lost generation", der "verlorenen Generation" sind ein anderes Thema, das Ningali Lawford am Herzen liegt. Ihr Stück "Aliwa" spielt im Westaustralien der dreißiger Jahre und erzählt die Geschichte der in ganz Australien berühmten Familie Davies. Damals raubte die australische Regierung zahllose Aborigine-Kinder, um sie in "weißen" Familien aufwachsen zu lassen. Um den "Beschützern der Aborigines" zu entfliehen, zieht die Familie Davies von Stadt zu Stadt. Dabei muss sie sich gegen Ignoranz, Vorurteile, gönnerhafte Einmischung und schlichte Dummheit wehren. Zusammengehalten durch die grimmige Liebe von Mum Davies entwickelt die Familie trotz allem ungeahnte Stärke.

Neben ihrer Theaterarbeit gibt Ningali Lawford Workshops im Rahmen von Gesundheits-Projekten, war Sprecherin bei der "Second National Youth Reconciliation Convention" und "Botschafterin" während des sogenannten "Harmony Day", der alljährlich das multikulturelle Australien feiert. Sie arbeitet an einem "Multicultural Audience Development Project" mit und ist Gast auf fast allen Festivals, die die Kultur der Aborigines und Torres Strait Islander feiern und einem großen Publikum zugänglich machen.



Veranstaltungen im HKW:
Freitag, 21. Juli 1995
Samstag, 22. Juli 1995
Sonntag, 23. Juli 1995
Ningali
Deck Chair Theatre, Freemantle
mit Ningali Lawford
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt


Author: Beate Mielemeier

Works

The Circuit

Film / TV,
2007
2 episodes

Home Is Where the Past Is

Film / TV,
2007
TV episode

You Always Hurt the Ones You Love

Film / TV,
2007

The Drover´s Boy

Film / TV,
2003

Heartlands

Film / TV,
2003

The Games

Film / TV,
2003

River of Dreams

Film / TV,
2003

Aliwa

Production / Performance,
2001
Regie: Ningali Lawford

Black and Tran

Production / Performance,
2000
Regie: Ningali Lawford and Hung Le

Solid

Production / Performance,
1999
Regie: Ningali Lawford und Kelton Pell

Merits

1995 erhielt Ningali Lawford den 1. Preis beim "Edinburgh Fringe Festival", 1996 folgte in Melbourne der "Green Room Award" in der Kategorie "Beste Schauspielerin".