Ben Osawe

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July 10, 2003
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Tradition und Klassische Moderne

Der Bildhauer Ben Osawe, geboren 1931, zählt zu den bedeutenden Künstlern Nigerias, obwohl er seit über zwanzig Jahren im Exil in Benin lebt. Nach einer ersten Ausbildung bei seinem Vater, damals Hofbildhauer des Königs von Benin, ging Osawe 1956 für zehn Jahre nach London, um an dortigen Kunsthochschulen zu studieren. Seit den sechziger Jahren hat Osawe zahlreiche Skulpturen geschaffen, darunter besonders einfühlsame von der Klassischen Moderne beeinflusste Porträtbüsten.
Der Bildhauer Ben Osawe ist einer der herausragenden Künstler seiner Generation in Nigeria. 1931 in Agbor geboren, wurde ihm eine erste künstlerische Ausbildung bereits in jungen Jahren bei seinem Vater zuteil, der Hofbildhauer am Hof des Königs von Benin Oba Eweka II. war. Mitte der fünfziger Jahre zog Osawe nach London, um an der School of Graphic Art (1956-59) und der Camberwell School of Arts and Crafts (1960-65) zu studieren. 1965, im Jahr des Abschlusses seiner Bildhauer-Klasse an der Camberwell School, wurde Osawe dazu auserkoren, Nigeria auf der Commonwealth Exhibition in Glasgow zu repräsentieren. Ein Jahr darauf kehrte er nach Nigeria zurück, wo er eine Lehrtätigkeit an der Universität von Nigeria in Nsukka übernehmen sollte. Wegen des Biafra-Krieges musste er jedoch bald nach Lagos fliehen. Dort arbeitete er im Atelier seines Künstlerkollegen Felix Idubor, bis er 1979 ein eigenes Atelier in Benin City eröffnete.

Wie bei etlichen Künstlern seiner Generation mischen sich auch bei Osawe traditionelle nigerianische Einflüsse mit der Formensprache der europäischen Klassischen Moderne, wobei diese beiden unterschiedlichen Prägungen so sehr ineinander verwoben sind, dass man sie isoliert kaum noch zu erkennen vermag. Grob gesprochen ist es so, dass seine Motive einer afrikanischen Lebensumgebung entstammen, sein persönlicher Stil hingegen dezidiert westlich erscheint. Das wiederum schliesst stilistische Brüche nicht aus, im Gegenteil: Die Veränderung der künstlerischen Handschrift gilt im Westen als "normal", da sie der gängigen Vorstellung avantgardistischer Kunst und individueller Weiterentwicklung entspricht.

Vergleicht man zwei zeitlich kurz hintereinander entstandene Werke wie die beiden bronzenen Porträtbüsten „Kopf des Moshood“ von 1958 und „Kaukasisches Mädchen“ von 1960, fallen zunächst die Unterschiede auf. Während der „Kopf des Moshood“ im Rodin’schen Sinne dem Ideal des Realismus entspricht, ist die künstlerische Auffassung bei dem nur zwei Jahre später geschaffenen „Kaukasischen Mädchen“ eine komplett andere. Im Gegensatz zu der potenziellen Wiedererkennbarkeit der nachempfundenen Person beim „Moshood“-Kopf ist hier das Antlitz einer jungen Frau in wenige große Flächen aufgeteilt und von scharfen, diagonal verlaufenden Linien und Graten zerschnitten. Während der Kopf des Moshood aus der Pariser Schule des späten 19. Jahrhunderts zu stammen scheint, so ist das „Kaukasische Mädchen“ kubistische Skulptur in ihrer reinen Form - als sei sie ein Werk des englischen „Vortizisten“ (wie sich die britischen Futuristen nannten) Percy Wyndham Lewis. Eines jedoch haben die beiden Büsten trotz aller Verschiedenheit in der Darstellung gemeinsam: Beide Male sticht eine der großen Stärken Osawes ins Auge - die überaus delikate, sensible und sehr eigenständige Behandlung der Oberflächen, die Kenner der Bildhauerei in Begeisterung versetzt.

Seit den sechziger Jahren wurden Osawes Werke in zahlreichen Ausstellungen in Europa, Afrika und den USA gezeigt. 1962 nahm er an einer Schau in der Artists International Association in London teil, ein Jahr später waren seine Werke im Royal Scottish Museum in Edinburgh zu sehen. Seither beteiligte sich Osawe an Kunstausstellungen in aller Welt von Lagos über New York bis New Delhi. Seine Skulpturen befinden sich in vielen öffentlichen Sammlungen und Museen, darunter die National Gallery of Modern Art in Lagos und die Kulturabteilung des nigerianischen Informationsministeriums.

Ben Osawe lebt und arbeitet in Benin City.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1931 in Agbor geboren
Erste Ausbildung bei seinem Vater, dem Hofbildhauer des Königs von Benin
1956-59 Besuch der School of Graphic Arts, London
1960-65 Besuch der Camberwell School of Arts and Crafts, London
1966 Rückkehr nach Nsukka, Nigeria
Flucht nach Lagos
1979 Übersiedlung nach Benin City

Works

Publication on Ben Osawe

Exhibition / Installation,
2000
The Short Century (cat.), Munich, London, New York 2001

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Africa in Portraits”, Skoto Gallery, New York, USA 2001 „The Short Century”, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „The Short Century”, Villa Stuck, München 1986 The Mall Galleries, London, Großbritannien 1985 National Theatre, Lagos, Nigeria 1973 University of Ife, Ife, Nigeria 1971 Lalit Kala Akademi, New Dehli, Indien 1969 Goethe-Institut, Lagos, Nigeria 1965 Commonwealth Festival, Glasgow, Schottland 1963 Royal Scottish Museum, Edinburgh, Schottland 1962 Artists International Association Gallery, London, Großbritannien

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2002 „What the Thieves Left Behind“, Nimbus Art Centre, Lagos, Nigeria

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)